Presse 1999    

Gemeinsame Auskunftstelle GAST/EPIC bei Großen Schadensereignissen (z.B. der zivilen Luftfahrt)

Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift SEG (Zeitschrift für Schnell-Einsatz-Gruppen und erweiterten Rettungsdienst), 6. Jahrgang Nr. 2 aus April 1999, von PD Wolfgang Ernst und Kriminalhauptkommissar Anton Hemmer, Polizeidirektion Flughafen München (gekürzte Fassung).


Vorwort
Die Probleme - für die betroffene Öffentlichkeit
Die Probleme - für die betroffenen Institutionen, die Analyse
Die Lösung mit GAST-EPIC
Die Ausstattung in GAST-EPIC
Das Personal
Die Hardware
Die Software
Der Förderkreis
Nutzerkreis von GAST-EPIC
Die Mitglieder des Förderkreises
Die Vorteile für die Angehörigen und Behörden
Die Zukunft

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Vorwort

Im folgenden Beitrag wird nicht auf die Bewältigung eines derartigen Ereignisses in der Führungsebene eingegangen, vielmehr wird aufgezeigt, wie die Polizeidirektion Flughafen München den Unterabschnitt "Auskunfts- und Vermißtenstelle" der "Sonderkommission Großes Schadensereignis" organisiert hat, um sowohl den Bedürfnissen der Bevölkerung als auch der kriminalpolizeilichen Sachbearbeitung gerecht zu werden.

Im Falle eines Luftfahrtunfalles haben Fluggesellschaft, Abfertiger (oft haben Airlines kein eigenes Personal an Flughäfen, sondern bedienen sich eines Abfertigungsagenten), Flughafenbetreiber und Behörden viele gemeinsame Aufgaben. Jeder bildet in seinem Bereich von der normalen Organisation abweichende Arbeitseinheiten und das tägliche Geschäft muß trotzdem weiterlaufen. Dabei treten viele Probleme auf. Keine der betroffenen Institutionen ist alleine imstande eine solche Lage umfassend und kompetent zu bewältigen. Eine für diesen Fall notwendige und geeignete Einrichtung bestand bisher in Deutschland nicht. Die Lösung ist die Schaffung einer gemeinsamen Stelle für Information und Kommunikation in Notfällen, die ein Zusammenwirken aller Beteiligten ermöglicht, um so dem berechtigten Informationsbedürfnis der betroffenen Öffentlichkeit, nämlich der Angehörigen (nicht der Presse), gerecht zu werden.

Enge Kooperation und vor allem guter Wille aller Beteiligten ist hier Grundvoraussetzung. GAST/EPIC in der hier beschriebenen Form ist bereits seit 1995 einsatzbereit.

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Die Probleme - für die betroffene Öffentlichkeit

Statistisch gesehen ereignen sich heutzutage weltweit jährlich ca. 50 Unfälle in der zivilen Luftfahrt mit über 1 000 Toten. Im Durchschnitt also 1 Unfall pro Woche. Nachrichten von Luftfahrzeugunfällen werden in der heutigen Zeit in wenigen Minuten weltweit verbreitet. Durch die ersten Meldungen, die meistens nur sehr spärliche Informationen enthalten, entsteht bei vielen Menschen, die einen Angehörigen oder guten Freund gerade im Luftverkehr unterwegs wissen, eine große Verunsicherung und ein erhebliches Informationsbedürfnis.
Beispiele:

Während der ersten 72 Stunden nach dem PANAM 747 Absturz in Lockerbie 1988 gingen fast 10 000 Anrufe im EPIC-Center in London (das Vorbild für GAST/EPIC, Betreiber ist British Airways) ein. Ca. 270 Menschen waren an Bord dieser Maschine. Nach dem Absturz der SR 111 im September 1998 gingen bei Swiss Air am Flughafen Zürich im selben Zeitraum ca. 32 000 Anrufe ein.
Angehörige wissen zunächst nicht, woher sie Informationen bekommen

Von einer Polizeidienststelle?
Von einem Flughafen?
Von einer Fluggesellschaft?
Verdoppelt wird das Problem noch dadurch, daß es einen Abflug- und einen Zielflughafen gibt.

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Probleme - für die betroffenen Institutionen

Eine Fluggesellschaft, ein Flughafenbetreiber und die zuständigen Behörden, speziell die Polizei, haben teilweise ähnliche, teilweise verschiedene Interessen und Aufgaben. Jeder baut seine eigene BAO (Besondere Aufbauorganisation) für diese Lagen auf, um das Ereignis bestmöglichst bewältigen zu können.

Folgende Probleme treten hierbei auf:

Büroräume und Ausstattung sind für den normalen Dienst- oder Geschäftsbetrieb ausgelegt
der normale Dienst- oder Geschäftsbetrieb muß weiterlaufen
mehr Personal ist erforderlich, mehr Platz, mehr Telefone usw.
unzureichender Informationsaustausch zwischen Behörden, Fluggesellschaft und Flughafenbetreiber, unzureichende Koordination und Dokumentation
Defizite bezüglich Fremdsprachen, kultureller oder religiöser Eigenheiten
traumatisierte Passagiere, Angehörige und Freunde

Analyse

Weder eine Fluggesellschaft noch ein Abfertigungsagent, die Behörden oder ein Flughafenbetreiber sind allein in der Lage eine derartige Situation umfassend und professionell zu bewältigen.

Lösung

Errichtung einer gemeinsamen Arbeitseinheit für Information und Kommunikation mit Angehörigen, welche

schnelles und umfassendes
wirtschaftliches
sicheres und professionelles
Zusammenwirken aller Beteiligten gewährleistet.


Die Lösung mit GAST-EPIC

In GAST/EPIC sind eingebunden:

die Polizei
die betroffene Fluggesellschaft
die Flughafen München GmbH.
Wir sind in der Lage, GAST/EPIC jederzeit in ca.10-15 Minuten mit einer Mindestbesatzung zu eröffnen. Die Telefonnummer für die Bevölkerung wird also bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt über Rundfunk und Fernsehen bekannt gegeben, die Flut von Anrufen wird auf uns kanalisiert. Somit werden andere Stellen erheblich entlastet.

Aus eigenen Erfahrungen und solcher anderer vergleichbarer ausländischen Einrichtungen wissen wir, daß wir bereits in diesem Stadium (ohne Passagier- oder Opferliste) schon sehr viele Anrufer beruhigen können. Derzeit lautet die Nummer 089/97620. Wir werden hoffentlich demnächst eine "neutrale Vorwahl" (0180 o.ä.) bekommen, um Irritationen in der Bevölkerung wegen der Münchner Vorwahl zu vermeiden, wenn es sich um einen Vorfall außerhalb des Großraums München handelt.

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Die Ausstattung in GAST-EPIC

Zwei Telefonkarusselle mit je 8 Arbeitsplätzen, ausgestattet mit PC, in der Tastatur integriertem Telefon sowie Kopfhörern stehen für die Entgegennahme der Anrufe von Angehörigen, oder solchen, die sich dafür halten, zur Verfügung. Die Daten der Anrufer und der gesuchten Personen werden mittels der von uns entwickelten Software "Caller Info" in eine Datenbank eingestellt. Sofern uns bereits eine Passagier- oder bei anderen Unfällen eine Opferliste vorliegt, können wir sofort feststellen, ob es sich um einen "positiven" oder "negativen" Anruf handelt.

Für jedes Karussell steht ein sogenannter "support-desk" zur Verfügung. Hier finden sich die Arbeitsplätze für die Programmbetreuer und Mitarbeiter aus dem psychologischen/kirchlichen Bereich (Fürsorge nach innen - Stichwort PTSD). Die Mehrzahl der Arbeitsplätze an diesen Tischen ist jedoch für Mitarbeiter mit Fremdsprachenkenntnissen vorgesehen.

Die Programmbetreuer ergänzen die Opferlisten, kontrollieren die Druckserver (für automatische Anrufprotokolle) und versorgen die Karussellkräfte ständig mit Einsatzinformationen. Weiterhin erstellen sie Listen nach den jeweiligen Bedürfnissen des Anfordernden.

Für die kriminalpolizeilichen Sachbearbeiter sind an zwei weiteren Tischen acht Arbeitsplätze für den eigentlichen Unterabschnitt "Auskunfts- und Vermißtenstelle" der Sonderkommission Großes Schadensereignis vorbereitet.

Hier laufen alle Informationen bezüglich der Opfer und deren Angehöriger zusammen und zwar:

die Ergebnisse aus den eingegangenen Anrufen
Ermittlungsergebnisse von der Unfallstelle
Mitteilungen von Rettungsleitstellen oder Krankenhäusern
Ergebnisse der Abholer- oder Angehörigenbefragung
Ergebnisse der Identifizierungsgruppe
Hinweise von der einsatzführenden oder anderen Polizeidienststellen
Für die Erfassung aller relevanten Opferdaten, wurde 1996 ein Karteikastensystem für UNIX entwickelt. CALLER INFO C/S-beta (Windows-Client-Software) bietet in der neuen Version bereits die computergestützte Bearbeitung der kriminalpolizeilichen Arbeit (nach IDKO-Richtlinien) und weitere Auswertungs- und Statistikfunktionen und wird das Karteikastensystem ablösen. Diese Version wird ab April 1999 zur Verfügung stehen. Vorlagen für beide Versionen waren die einschlägigen Formblätter.

Durch die Einbindung der IDKO des BKA in die Entwicklung ist gewährleistet, daß diese Versionen deutschlandweit von Polizeidienststellen genutzt werden können, nicht nur für Unfälle in der Luftfahrt sondern auch für alle anderen Formen eines "Großen Schadensereignisses".

Für den Fall eines Unfalls in der Luftfahrt ist für den Vertreter der betroffenen Fluggesellschaft ebenfalls ein Arbeitsplatz vorbereitet, insbesondere stehen auch zwei Cute-Terminals (Common User Terminal) zur Verfügung. Mittels dieser Terminals kann der Vertreter der Fluggesellschaft firmenintern mit seinem Notfallmanagement, sowie mit allen anderen Stationen seiner Firma weltweit kommunizieren.

Ein eigener Arbeitsplatz steht auch für einen Verbindungsmann von der Flughafen München GmbH (FMG) zur Verfügung. Wir wissen nicht, was wir im Ernstfall alles im logistischen Bereich an Unterstützung benötigen. Durch diesen Verbindungsmann steht uns aber die FMG mit ihrer Logistik unmittelbar zur Verfügung. Faxgeräte für die verschiedenen Arbeitsbereiche, alle sonst erforderlichen Bürogeräte sowie ein Internetanschluß vervollständigen die Ausstattung.

Eine Schrankwand mit derzeit 400 numerierten Fächern ist für die Ablage der Ausdrucke und aller in Papierform anfallenden Unterlagen vorbereitet.


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Das Personal

Die PD Flughafen München mit ihren nachgeordneten Polizeiinspektionen hat ca. 250 Mitarbeiter - etwa 220 unmittelbar am Flughafen.

Davon wurden ca. 180 Mitarbeiter, die größtenteils im Schichtdienst tätig sind, in die Arbeit in GAST/EPIC eingewiesen. Dies ist der Grund, warum wir innerhalb von 10-15 Minuten mit einer Mindestbesetzung in Betrieb gehen können. In der Praxis bedeutet dies, daß wir etwa zeitgleich mit dem Bekanntwerden eines Ereignisses über den Rundfunk bereits unsere Nummer anbieten können.

Zusätzlich zu unseren 180 Mitarbeitern haben wir bisher ca. 260 Freiwillige von über 20 verschiedenen Fluggesellschaften von allen deutschen Flughäfen in einem ersten Schritt für die Tätigkeit an den Telefonkarussells ausgebildet. Ein weiterer Ausbildungstag für jeden einzelnen wird ab Juni 1999 noch folgen. Kommunikation mittels Telefon in dieser extremen Belastungssituation wird einer der Schwerpunkte der Ausbildung sein. Aus Fürsorgegründen werden allen Karussellkräften auch Grundzüge zum Thema "Posttraumatische Belastungsreaktionen vermittelt.

Unser Ziel ist es, ca. 400 Freiwillige von Fluggesellschaften auszubilden. Der große Vorteil hierbei ist neben der Quantität die Qualität dieser Personengruppe. Berufsbedingt verfügt diese Personengruppe über Fremdsprachenkenntnisse. Bisher decken wir so über 20 Fremdsprachen ab. Insgesamt streben wir langfristig einen Personalpool mit ca. 800 ausgebildeten Personen an. Durch die Abgabe einer Verpflichtungserklärung durch "polizeifremdes" Personal vor jedem Einsatz werden auch die datenschutzrechtlichen Bestimmungen gewährleistet.

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Die Hardware

Wir benutzen handelsübliche PC's (Industriestandard) mit Intel Pentium Prozessoren, 64 MB Hauptspeicher, 2 Gigabyte Festplatten und hochwertigen Graphikkarten und Monitore ohne zusätzliche Laufwerke (Diskette/CD). Jeder Client ist mit einer 3Com-Netzwerkkarte (100 MB/sec) ausgestattet.

Auf allen PC´s wurde das Betriebssystem Windows-NT 4.0 (WS) installiert. Als Datenbankserver steht ein eigener Windows-NT Server (DBMS: Microsoft SQL-Server 6.5) zur Verfügung. Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung ist gewährleistet.

Wir benutzen einfache MF2-PC-Tastaturen mit eingebautem Telefon, sogenannte "Phoneboards" mit Kopfhörern. Der Benutzer hat dadurch beide Hände frei. Die Farbmonitore haben Größen von 15- 21 Zoll, je nach Arbeitsplatz.

Bei den Servern handelt es sich um kostengünstige, aber qualitativ hochwertige Industriecomputer. Sie sind mit 256 MB Hauptspeicher und zum Teil bis zu 60 Gigabyte Festplattenkapazität (Verwaltung über: Raid-Controller /Festplattenspiegelung) ausgerüstet. Die Datensicherung erfolgt über AIT-Laufwerk und/oder CD-Writer.

Als Software auf den Arbeitsstationen wird Microsoft Office Professional mit den Komponenten Word, Excel, Access, PowerPoint, Mail und Exchange genutzt.

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Die Software

Oberste Priorität bei der Erstellung der Software war die Anwenderfreundlichkeit und Datensicherheit. Die Software wurde mit DELPHI 4.0 Client/Server offen entwickelt und kann unter MS SQL-Server, ORACLE, DB2 oder INFORMIX eingesetzt werden, um die eingehenden Anrufe abzuarbeiten und die relevanten Daten bezüglich Anrufer und gesuchter Person zu erfassen.
Bei Luftfahrzeugunfällen wird der Polizei die Passagierliste zur Verfügung gestellt. Nach Eingabe in das System, können dem Anrufer daher Angaben gemacht werden, ob der Suchname auf der Passagierliste steht oder nicht.

Vor Erhalt der Passagierliste sowie bei anderen großen Schadensereignissen (z.B. ICE-Unglück in Eschede), bei denen es keine Passagierliste gibt, behandeln wir grundsätzlich jeden Anruf als sogenannten Trefferanruf, d.h., wir füllen alle Eingabefelder aus. Diese Fälle haben zunächst die Qualität eines Vermißtenfalles. Ein programmgesteuerter Abgleich ermöglicht jederzeit das nachträgliche "Updaten" von bereits eingegangenen Anrufen. So können auch nachträglich "positive" Anrufe herausgearbeitet und Anrufer über den Verbleib eines Passagiers verständigt werden.

Unsere Software "Caller Info" haben wir mehrsprachig erstellt. Der Anwender kann nach Programmstart zwischen deutsch, englisch oder französischem Erfassungsmodus wählen.

Die Abarbeitung der eingehenden Anrufe an den Karussells wirkt wie ein Filter. Wir unterscheiden zwischen positiven und negativen Anrufen. Nur positive Anruferdaten werden an den integrierten Unterabschnitt "Auskunfts- und Vermißtenstelle" weitergeleitet.

Die kriminalpolizeilichen Sachbearbeiter können sich also voll auf ihre Ermittlungsarbeit konzentrieren. Eine zeitaufwendige Doppelerfassung (zuerst mit Hand- und dann Nacherfassung) ist nicht mehr erforderlich. In mehreren Übungen und zwei Echteinsätzen hat sich unser System bewährt.

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Der Förderkreis

Um unser Projekt GAST/EPIC von finanzieller Seite her schnell verwirklichen zu können, haben wir den gemeinnützigen "Förderkreis GAST/EPIC am Flughafen München e.V." gegründet. Zwischenzeitlich sind sehr viele Fluggesellschaften, sowie auch einige deutsche Flughäfen Mitglied in diesem Verein. Mitglieder können natürliche und juristische Personen werden.

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Nutzerkreis von GAST-EPIC

Die Polizei

Die Qualität einer Flughafenpolizei wird im Ernstfall auch daran gemessen, wie sie einen Luftfahrzeugunfall bewältigt.

GAST/EPIC wurde daher durch die Polizeidirektion Flughafen München für ihren sachlichen und örtlichen Zuständigkeitsbereich aufgebaut, um die herkömmliche "Auskunfts- und Vermißtenstelle" innerhalb der Sonderkommission "Großes Schadensereignis" zu optimieren.

GAST/EPIC ist eine polizeiliche Einrichtung. Die heutzutage berechtigt hohe Erwartungshaltung der Bevölkerung und der Medien, sowie die polizeiliche Aufgabe waren Motivation genug für uns, dieses Projekt zu verwirklichen, auch wenn manchmal unkonventionelle Wege beschritten werden mußten. Aufgrund positiver Erfahrungen bei Übungen wurde die örtliche Zuständigkeit von GAST/EPIC schließlich konzeptionell für den Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern erweitert und zwar immer unterstützend für den jeweiligen örtlichen Polizeiführer bzw. Leiter der Soko GSE.

GAST/EPIC wurde anläßlich des ICE-Unglücks in Eschede am 03.06.98 auf Weisung des Bayerischen Staatsministerium des Innern eröffnet als Auskunftsstelle der Bayerischen Polizei. Die Zusammenarbeit mit den Dienststellen vor Ort im Falle Eschede war sehr beeindruckend. Wiederum aufgrund dieser positiven Erfahrungen steht GAST/EPIC nun allen bayerischen Polizeidienststellen, sowie anderen Dienststellen, sofern ein Bezug zu Bayern gegeben ist, bei Bedarf unterstützend zur Verfügung. Dies ist Inhalt einer Bekanntmachung des Bayer. Staatsministerium des Innern vom 03.12.98 (IC5-3721.3-19).

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Die Mitglieder des Förderkreises

GAST/EPIC ist eine polizeiliche Einrichtung und kann grundsätzlich nur genutzt werden, wenn eine polizeiliche Aufgabe zugrunde liegt.

Sofern in einem Unglücksfall die örtliche und sachliche Zuständigkeit für die Polizeidirektion Flughafen München jedoch nicht gegeben ist (bereits ein Einsatz im Oktober 1997), hat jedes Mitglied des Förderkreises das Recht, die Einrichtung GAST/EPIC in eigenem Namen und in eigener Regie zu betreiben. Selbstverständlich unterstützen wir in diesen Fällen dann den jeweiligen Betreiber der Einrichtung. Unser Personal befindet sich dann allerdings nicht im Dienst sondern in der Freizeit.
Diese zusätzliche Möglichkeit der Nutzung über den Bereich der polizeilichen Zuständigkeit hinaus hat die Akzeptanz für GAST/EPIC erheblich gefördert.
Die Mitglieder des Förderkreises bekommen für die Leistungen die sie einbringen (Beiträge und Bereitstellung von Personal für die Schulung) somit eine zusätzliche, erhebliche Gegenleistung. Normalerweise ist in den Notfallplänen der Stationen von Fluggesellschaften u.a. auch vorgesehen, daß Anfragen von Angehörigen entgegenzunehmen sind. Die meisten Stationen sind damit aber im Ernstfall nicht zuletzt personell überfordert. Einige Fluggesellschaften haben hier bereits reagiert und diesen Bereich in ihren Konzepten gestrichen. Eingefügt wurde statt dessen der Hinweis auf GAST/EPIC.

GAST/EPIC kann also sowohl als polizeiliche wie auch als "private" Auskunftsstelle genutzt werden.

Durch diese doppelte Nutzungsmöglichkeit ergeben sich für alle erhebliche Vorteile, aber für niemand ein Nachteil.


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Die Vorteile

- für die Angehörigen

Die Bevölkerung bekommt von Anfang an eine Anlaufstelle für Anfragen genannt. Wir können 16 eingehende Anrufe gleichzeitig entgegennehmen. Wir verkürzen den besorgten Menschen die Zeit der Unsicherheit. Unsere Freiwilligen von den Airlines verfügen über Fremdsprachenkenntnisse (derzeit ca. 20 Sprachen).

- für die Behörden

GAST/EPIC ist ständig betriebsbereit, der Raum wird im täglichen Dienst nicht genutzt
GAST/EPIC kann rund um die Uhr ohne Vorlaufzeit aktiviert werden
GAST/EPIC konzentriert die Anrufe aus der Bevölkerung auf sich
Wir entlasten die zuständige Polizeidienststelle
Unser Personal "lebt ständig in der Lage"
Wir verfügen über praktische Erfahrung
Wir können die Zuordnung/Identifizierung der Opfer in kürzerer Zeit durchführen. Hier ist nicht die medizinische Identifizierung gemeint, sondern die Zuordnung der vollständigen Personalien zu den Namen der Passagier- oder Opferlisten. Nur mit Namen, Vornamen und Geschlecht (nur diese Daten sind im Luftverkehr in den Passagierlisten erfaßt) können wir im kriminalpolizeilichen Bereich nicht in die Ermittlungsarbeit einsteigen.

Wir benötigen unbedingt die Adressen der Betroffenen, damit die zuständigen Wohnortdienststellen definiert werden können. Diese Dienststellen haben dann die polizeiliche Ermittlungsarbeit (z.B. Beschaffung weiterer Personendaten, Identifizierungsmaterial, Angehörigenkontakt usw.) durchzuführen.

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Die Zukunft

Da je nach Konstellation und Örtlichkeit eines Unglücks auch das Auswärtige Amt sowie das Bayer. Landeskriminalamt Zuständigkeiten haben, wurde durch gegenseitige Absprachen bzw. Einbindung sichergestellt, daß künftige Einsätze im Sinne der Menschen abgewickelt werden können, die in großer Sorge um Leben und Gesundheit eines Angehörigen sind. Dabei stehen Zuständigkeitsfragen nicht im Vordergrund.

Als polizeiliche Auskunftsstelle können wir derzeit (Stand 03/99) in Fällen Großer Schadensereignisse bei Bedarf Polizeidienststellen in Bayern sowie außerbayerische Dienststellen - sofern ein Bezug zu Bayern (z.B. Start- oder Ziel in Bayern) besteht - unterstützen.

Als ein Beispiel und auch ein Vorbild für professionelle Arbeit in der hier behandelten Problematik kann auch die Bewältigung des Absturzes der Swiss Air 111/bei Halifax im September 1998 erwähnt werden. Hier hat sich gezeigt, daß nur Vorsorge zum Erfolg führt. Wir haben sehr gute Kontakte zum Flughafen Zürich und konnten uns dort anläßlich einer Übung im März 1998 von der Professionalität und Leistungsfähigkeit des dortigen Konzeptes überzeugen. Im Grundsatz unterscheidet es sich eigentlich nicht von unserem Konzept. Die anfallenden Aufgaben und die Erwartungen der Angehörigen sind überall die Gleichen. Niemand von uns will, daß wir uns jemals beweisen müssen, aber die zwei Einsätze in GAST/EPIC innerhalb von 9 Monaten belegen doch, daß wir jederzeit gefordert sein können.
Wie aktuell doch dieses Thema ist, zeigen das schreckliche Lawinenunglück in Galtür/Österreich (Februar 99), sowie der brennende, papierbeladene Güterwagon in einem Tunnel der ICE-Strecke Würzburg-Hannover (01.03.99). Im letzten Fall könnte man sagen: "Glück gehabt!"

Darauf wollen wir uns aber nicht verlassen. Im September 1998 nahmen wir an einem Symposium des National Transportation Safety Board (USA) zum Thema "Family Assistance" teil. Es wurde hierbei das ganze Paket von Maßnahmen vorgestellt, das die USA per Gesetz den Fluggesellschaften für den Notfall auferlegt hat. Der Leitsatz dieser Veranstaltung bringt das Vorstehende auf einen kurzen Nenner:

"Wir wollen vorbereitet sein und zur rechten Zeit das Richtige tun."

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Hinweis: Der Artikel stammt von Anfang 1999 und ist nicht aktuell. Wir haben ihn eingestellt, weil er die geschichtliche Entwicklung aufzeigt.




 
 
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